Distanzeritis ist eigentlich eine langweilige Pflichtübung, ungefragt schreit man in die Welt hinaus was man alles nicht ist, in der Hoffnung dies würde die eigene Kontur schärfen und die Inhaltleere der eigenen Positionen verdecken. Diese relfexhafte Handlung funktioniert solange gut, wie der Delinquent sich nicht in den eigenen Reihen befindet. Von diesen “faulen Äpfeln” hat die SPD derzeit gleich zwei im Korb die es geschafft haben allen parteiinternen Bestrebungen zu Reinigungswellen stalinistischen Provenienz zu widerstehen, die Rede ist von Thilo Sarrazin und dem “Newcomer” Joachim Gauck.
Ersterer hatte mit seinem Buch “Deutschland schafft sich ab” die SPD in eine tiefe innere Krise gestürzt als er Basis und Parteifühung polarisierte. Die Wächter der Kulturrevolution in der SPD betrieben seinen Parteiausschluss, die Basis oppunierte – zum Schluß dürfte Sarrazin bleiben, wenn er sich im Gegenzug vom politischen brisanten Teil seiner Vererbungstehesen distanzieren würde, was er auch notgedrungen tat. Das Problem mit Gauck ist dass er seinerzeit von der SPD (die Grünen haben sich nur drangehangen) aufgestellt wurde um die Union zu ärgern, wirklich auf Linie mit der SPD war dieser schon seinerzeit nicht. In der Zwischenzeit hat sich die Distanz sogar noch vergrössert, Gauck bescheinigte Sarrazin Mut für die Veröffentlichung seiner Thesen.
Die Wut darüber Gauck nominieren zu müssen dürfte bei Angela Merkel in der Zwischenzeit in Wohlgefallen umgeschlagen haben, kaum war der Merkels “Ja” zu Gauck in der Welt, jaulten die üblichen Verdächtungen aus der vereinten Front des Gutmenschtums medienwirksam auf, Jürgen Trittin sah sich gar gezwungen der grünen Parteizeitung „taz“ Schweinejournalismus vorzuwerfen.
Aber zurück zur alten Tate SPD, die nun vor dem Problem steht die Distanzeritis zu Sarrazin über den Umweg Gauck zu vollziehen ohne die alten Wunden wieder aufzureissen ohne gleichzeitig Gauck zu beschädigen. Mit den üblichen Worthülsen ist diese Aufgabe aber nicht zu stemmen und so wichtig, dass das jonglieren der Praktikanten in den Parteibüros mit Satzbausteinen nicht ausreicht, ausnahmsweise musste daher mal der Chef persönlich ran. Wie das dann aussieht kann man auf Welt-Online nachlesen:
Sarrazin wehrt sich gegen SPD-Chef Gabriel
Freunde werden diese beiden Parteifreunde nicht mehr: Erneut gibt es mächtig Streit zwischen SPD-Chef Sigmar Gabriel und SPD-Mitglied Thilo Sarrazin.
Der Streit zwischen dem ehemaligen Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin und der SPD-Führung geht in eine neue Runde. In einem Brief an den SPD-Parteivorstand, der “Welt Online” vorliegt, wehrt sich Sarrazin gegen Vorwürfe, die Parteichef Sigmar Gabriel in einem Interview der “Welt am Sonntag” erhoben hat.
Der SPD-Vorsitzende hatte im Zusammenhang mit der Diskussion um den designierten Bundespräsidenten Joachim Gauck auf die Frage “Ist Gauck ein Konservativer? Ein Liberaler? Ein Sozialdemokrat?” geantwortet: (weiterlesen …)